Offensiv-Spektakel gegen Rams verloren: The good, the bad, the ugly

Aufgrund unserer Niederlage im Season Opener bei den Sluggers konnten wir uns leider in der Saisonserie gegen die Berlin Rams keinen Split leisten, sondern mussten nach dem Sieg im Hinspiel auch das Rückspiel gewinnen. Leider klappte das nicht: die Rams gewannen verdient mit 12:9 und sind damit auf bestem Kurs zur Berlin-Brandenburger Meisterschaft. Wir Roadrunners können nur abwarten, ob die Rams aus irgendeinem unwahrscheinlichen Grund noch ein Spiel verlieren - und schon mal gratulieren, weil das unwahrscheinlich ist! Wir sind derzeit anscheinend die einzigen in Berlin, die die Rams schlagen können - und wir schaffen es eben auch nicht in jedem Spiel.

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Wie man sieht, können die Spieler und Trainer auch NACH dem Spiel noch lachen!

Meine Lieblings-Sportblogs sind Lets Go Tribe (übers beste Baseballteam der Welt) und Blogging the Boys (übers beste Footballteam der Welt). In einem von beiden werden Spiele immer mit The Good, The Bad, The Ugly besprochen, aber ich hab vergessen, welches das ist. Heute mach ich aber den Spielbericht mal genauso:

The Good

Wir haben in der Mitte des zweiten Innings 8:2 geführt, weil wir sehr gut geschlagen haben von Anfang an. Wir haben ein Hitting-Team, das aggressiv die Bats schwingt. Im ersten Inning hatten wir 6 Hits, im zweiten Inning 4 Hits. Am Ende hatten wir 15 Hits. Drei davon in den ersten beiden Innings waren Doubles: zwei schlug Alex, der zur Zeit jeden Ball hart trifft und sich keine Pitcher lange anschaut, weil sein Timing gerade sehr gut ist. Eins kam von Juri, der den Ball in diesem At-Bat auch gut traf.

Das Pitching war eigentlich ganz gut: Hugo erzielt im ersten Inning drei Strikeouts und gibt gegen ein offensiv starkes Team nur zwei Runs ab. Alex am Ende hatte auch ein Strikeout und gab nur zwei Runs ab. Selbst in den mittleren Innings, als Hugo und Keanu jeweils 4 Runs abgaben, waren wenig Walks dabei und die Pitches waren in der Strikezone. Nur sind die Rams eben ein gutes Hitting-Team und schlagen oft hart, aber auch das wäre bei der für uns üblichen Desensive kein Problem gewesen, sondern hätte klappen können. Am Pitching lag es nicht, finde ich. Gegen ein so starkes Team wie die Rams war es ausreichend gut gewesen.

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Hugo und Alex erleben einen Mound Visit von Sven P.

The Bad

Die Rams versuchten sechsmal, Bases zu klauen. Zweimal haben wir sie (eigentlich) erwischt, viermal waren sie dabei erfolgreich, einmal zusätzlich noch, weil wir einen Error machten. Die Würfe des Catchers waren alle verarbeitbar, fand ich. Die Defense verarbeitete sie nur nicht schnell genug.

Im Gegenzug versuchten wir nicht einmal eine Base zu klauen. Unser schnellster Spieler fehlte, aber wir haben noch einige andere schnelle Spieler. Wir haben auch mindestens einen Spieler, der an seiner Laufgeschwindigkeit noch arbeiten muß (Leo) und andere, die an ihrer Aufmerksamkeit arbeiten sollten (z.B. Shima lief bei einem Play an einer anderen Base nicht weiter zur nächsten Base, sondern schaute sich das Play an).

Für die Verteidigung und für einen Runner macht es aber einen Unterschied, ob man einen Runner auf 1B hat oder auf 2B. Und wir können bei einem Wild Pitch scoren, falls wir einen Runner auf 3B haben beispielsweise, und bei einem Single, falls ein Runner auf 2B ist. Die Verteidigung kann Force Plays machen, wenn ein Runner keine leere Base hinter sich hat, und muss Tag Plays machen, die mehr Zeit kosten, falls ein Runner leere Bases hinter sich hat. Aber dann muss auch jeder Spieler in jeder Situation schauen, dass man, ohne ein Out zu verursachen, voran kommt auf den Bases. Taten wir nicht, taten nur die Rams.

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Bislang hat der gekreidete und gewässerte On-Deck-Circle immer geholfen (und das Bärchen-Maskottchen mit Batting Helm auch)

The Ugly

Auch die Rams hatten Hits, in Summe 12. Im Unterschied zu uns hatten sie aber auch 6 Walks. Wir hatten keinen Walk.

Die Entwicklung eines Spielers in der Schüler-Liga, die ich an meinen Söhnen schon zweimal beobachten konnte (und an vielen anderen Spielern auch), läuft normalerweise so ab: Zuerst ist der Spieler sehr passiv und zieht, wenn er Glück hat, ein paar Walks ab und zu, wenn die Pitcher unserer Liga die Strikezone nicht treffen. Oder er kriegt Strikeouts, falls sie treffen oder er nach Bällen schwingt, die außerhalb waren. Das kommt anfangs oft vor. Alex beispielsweise hatte in der Saison 2016 dreizehn Walks neben sieben, acht Strikeouts und vier, fünf Hits oder so.

Nach ein paar Monaten fängt der Spieler an, immer besser zwischen Balls und Strikes zu unterscheiden und schwingt oft auf Strikes, die aber gefoult werden. Das Timing ist noch nicht ganz perfekt, trotzdem ist nun öfter ein Hit dabei (oft Opposite Field, weil zu spät am Ball), aber auch die Strikeouts nehmen zu. In dieser Phase foulen die Spieler immer öfter. Das war Alex am Ende 2016 und Anfang 2017.

Und dann kommt irgendwann die Phase, wenn das Timing stimmt und immer besser zwischen Strikes und Balls unterschieden wird. Und auf einmal wird nur noch geschwungen, wenn es Strikes sind. Einige werden gefoult, die meisten Schwünge enden mit Ball in Play. Und da das Timing immer besser stimmt und der Spieler immer besser weiß, wann er welche Pitches sieht, wann er seine Batting Motion starten muß etc., fliegen die Bälle immer weiter. Das ist Alex seit Mitte 2017 - Walks zieht Alex nur noch, wenn der Pitcher ständig Balls wirft. Ansonsten finden Alex und andere Spieler wie er mindestens einen Strike zwischen all den Balls, um hart zu schlagen.

Wir haben einige Spieler wie Alex, die komplett soweit sind, dass sie fast nur noch Hits schlagen und wenig walken: mir fällt sofort Hugo ein und auf jeden Fall Braima, eventuell auch Leo (aber der ist derzeit auch einfach ein offensives Glückskind, weil seine Bälle immer eine Lücke finden). Andere Spieler sind am Übergang von passiv zu aktiv (ich würde sagen, Keanu hat diese Phase demnächst hinter sich, Juri und Oskar kommen gerade rein, Shima auch). Und alle anderen Spieler, finde ich, sind eigentlich noch in der passiven Phase: bei Mats und Jasper geht es derzeit in der Batters Box nicht darum, so aggressiv zu schwingen wie Hugo, Alex oder Leo. Für diese Spieler geht es darum, zwischen Strikes und Balls unterscheiden zu lernen und sich wirklich nur den Pitch vorzunehmen, der wirklich schön zum Schlagen ist. Und bis dahin auch genug über den eigenen Schwung und die Abläufe zu lernen, dass das Timing und die Wucht beim Schlagen immer besser werden.

Machen beide Spieler aber derzeit nicht, sondern versuchen, ebenso aggressiv zu schlagen wie alle anderen. Aber ihr seid in einer anderen Phase eurer Entwicklung als Batter und solltet derzeit passiver sein und die Pitcher arbeiten lassen. Am Wochenende ergab das eine Batting Line von 0-5 mit 2 Strikeouts. Insgesamt schwingt unser ganzes Team auf jeden Pitch und lässt die gegnerischen Pitcher nicht genug arbeiten. Wir haben einige Spieler, die schwingen hart und sind derzeit heiß. Aber alle anderen sollten passiver sein, sich mehr Pitches anschauen und Walks nicht verabscheuen.

Wer gewinnt im Baseball? Die Mannschaft, die die meisten Runs erzielt. Wie erzielt man Runs? Indem man auf Base kommt. Dabei ist es aber egal, wie man auf Base kommt: Walk oder Hit oder Hit-by-Pitch oder Error oder sonstwie. Aber nur wer auf Base ist, kann scoren. Also verachtet den Walk bitte nicht. Hauptsache, ihr kommt auf Base und erzeugt kein Out. Denn davon haben wir pro Inning bloß drei zur Verfügung.

Soviel dazu.

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Im Dugout wird gequatscht, gelacht, dafür gesorgt, dass Unordnung und Ordnung im ewigen Widerstreit sind, mit dem Schläger was umgebogen und getrunken. Das Spiel findet übrigens am rechten Bildrand statt.

Wir haben auch 5 Errors gemacht, wobei ich als Scorer oft lieber Hits vergebe als Errors und somit einige schwache Plays einfach als Hit gescort habe. Hier die Errors: Bei einer Stolen Base war der Runner an 2B out, denn alle Würfe von Alex waren im Handschuh und auch rechtzeitig da, aber in diesem Fall liess ein Spieler den Ball beim Tag fallen. Einen Error gab es bei einer ähnlichen Situation an 3B, wo der Tag statt mit einer Vierteldrehung mit einer Dreivierteldrehung angebracht wurde und zu spät war. Ein Ball wurde an 1B vertändelt, einmal hat der Catcher den Batter behindert und einmal der 2B einen Ball verworfen. Und wie gesagt: nicht alles wurde gescort. Insgesamt fühlte sich die Verteidigung nicht besonders sicher an.

Das lag mit Sicherheit daran, dass ein wichtiger Spieler fehlte, der sonst immer 3B spielte. Um ihn zu ersetzen, begann das große Umhergerücke, und so endeten viele Spieler auf ungewohnten Situationen und das sah man auch. Nun üben wir immer mit allen Spielern auf allen Positionen im Infield, aber im Spiel ist es eben trotzdem ungewohnt (oder die Übungen im Training werden an der ungewohnten Position nicht so ernst genommen wir an der gewohnten).

Mir fiel aber auch auf, dass Spieler manchmal unkonzentriert wirkten. Wenn Alex einen Wurf zu 1B oder 3B machte, sah ich die Corner Outfielder bewegungslos. Eigentlich müssen sie in dem Moment sofort auf die Linie laufen und dann dem Ball entgegen. Shima an 3B schaute oft zu Gregg, dem 3B-Coach des Gegners, statt aufs Feld (schaut mal oben aufs Foto, wo Sven P. einen Mound Visit macht), weil Gregg so eine laute Stimme hat und immer was rumbrüllt. Das ist vielleicht auch lustig, aber es lenkt den Fielder ab - seine Aufmerksamkeit muss aber der Fielder selber managen, nicht der gegnerische Base-Coach.

Fazit

Ein Spieler fehlte bei uns, der zu den besten Hittern der Liga gehört. Offensiv konnte sein Platz im Lineup nicht gefüllt werden. Defensiv erzeugte sein Fehlen viele Verschiebungen und machte die Defensive unsicher. Beim Baserunning fehlte uns seine Geschwindigkeit. Unser Team ist leider nicht so gleichmäßig besetzt und spielerisch noch nicht so weit, seine besten Spieler einfach so ersetzen zu können. Und gegen die Berlin Rams brauchen wir eben unsere eigene Spitzenleistung. Gegen die anderen Gegner in Berlin kommen wir vielleicht auch so durch, gegen die Rams muss es fehlerfrei und perfekt sein.

Das war es am Sonnabend nicht und damit haben wir unser Schicksal nicht mehr in der Hand, was die Meisterschaft angeht. Aber das ist eben so. Herzlichen Glückwunsch an die Rams für ein sehr gutes Spiel und einen verdienten Sieg. Lasst uns nicht vergessen, dass die Rams oft genug uns gratulieren durften, weil wir gewonnen hatten. Nun eben, nach drei deutlichen Siegen in Folge (11:1, 3:0, 13:6) gegen die Rams, eine knappe Niederlage.

Richtig viel zu ärgern gab es aber auch nicht. Dieses Team am Sonnabend hat an seinem Limit gespielt und ist dabei manchmal auf einem Grat gewandelt, den es nicht immer halten konnte. Wir haben ein paar Fehler gemacht, aber sensationellen Mist hat das Team auch nicht gebaut. Es hat richtig gut geschlagen mit immerhin 15 Hits. Das Team war bis zum 3. Inning im Spiel drin, aber am Sonnabend war der Gegner einfach besser. Fertig, so ist es eben manchmal.

Bester Pitcher: Hugo im 1. Inning (aber nur im 1. Inning, ansonsten war es eigentlich Keanu von den Rams mit 2 Innings Pitched und nur 1 Run erlaubt)

Bester Hitter: Alex: 3-3 mit 2 Doubles und Leo: 3-3 mit lauter Singles (mehrere andere hatten 2 Hits, wie z.B. Hugo, Oskar, Keanu, Shima / und auch notiert -> Elon (Rams): 4-4 mit 1 Double)

Danke an das Team für ein spannendes Offensivspektakel! Danke an die beiden Coaches Sven und an Claudia, die Managerin, für ihre Arbeit im Dugout. Danke an Miyuki und die beiden kurzfristigen Catering- und Aufbau/Abbau-Springer Caroline und Leo sowie den niemals müden Andreas für seine Pommes! Danke an die beiden Umpires Max und Roxi. Danke für die Fotos an Claudia und Anja! Danke an wieder mal 40 Zuschauer, die unter anderem von den Main-Taunus Redwings den Weg zu uns gefunden haben (Erik, Christian und Katja)!

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Bambule beim Catering: bevor der Bauch voll ist, haben es alle Kunden immer besonders eilig!

Und zu guter Letzt:

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Wie dieses Foto eine Stunde nach dem Spiel zeigt, treffen Niederlagen unser Team wirklich hart und lange

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