Im Endspiel angekommen

Nach der Niederlage im ersten Endspiel waren alle Beteiligten erstmal baff. Wir waren nicht davon ausgegangen, nur zu gewinnen - im Gegenteil, dieser Schreiber fand schon immer, dass die Rams sehr gutes Baseball spielen und hoffte immer, dass es ein anderes Team ins Finale schafft. Zudem hatten wir unsere Leichtigkeit verloren, aber schon weit, weit vorher, irgendwann beim Nachtsieg gegen die Eagles, dem lange offenen Spiel gegen die Dragons oder der Heimniederlage gegen die Flamingos. Die Leichtigkeit war weg, unser Team spürte Druck und wurde flatterig. Und so kann man gegen die Rams nicht bestehen.

Bei der Niederlage im ersten Spiel fiel den Trainern darüber hinaus auf, dass die Rams - wie immer, und auf allen Leveln - sehr gute Outfielder haben, die für gewöhnlich Bälle fangen, die man in ihre Richtung schlägt. Wenn die Bälle dann noch wie im ersten Spiel bei uns eine lange "Hang Time" haben, dann fangen die Rams-Outfielder sie ganz sicher. Dahingegen fanden wir, dass das Rams-Infield nicht ganz so sicher wirkte.

Die Idee für die Vorbereitung auf das zweite Endspiel war also, die Leichtigkeit zurück zu gewinnen und unter der Woche Grounder zu trainieren. Wir haben die ganze Woche geübt, Bälle auf den Boden zu schlagen (Grounder) oder knapp darüber (Linedrives). Wir haben Fielding im In- und Outfield geübt, um etwas sicherer zu sein. Und wir haben uns Mühe gegeben, Spaß zu haben und den Druck weg zu nehmen.

Denn Druck hatten die Kinder: ihre eigenen Erwartungen, das Gerede dieses Schreibers und aller Eltern über eine möglicherweise große Saison, der beste Vorrunden-Platz, über 70 Zuschauer im ersten Finalspiel und so weiter und so fort. Baseball ist ein Sport mit heftigen mentalen Anforderungen. Wir sitzen da draußen auf den Bänken und schauen zu und brüllen, lachen, feuern an, raunen. Aber wie sich das anfühlt als Kind, wenn Du da stehst in der Batters Box und hinter dir ist die Menge am Ausflippen, eine zweigeteilte Menge, die entweder flucht, wenn Du Mist baust, oder jubelt. Wenn Du was Gutes machst, jubelt ein Teil für Dich, der andere schweigt. Und am Ende wissen es alle, die nicht spielen, sowieso immer besser. Und dann kommst Du ins Dugout und da stehen mehrere Trainer und der Rest deines Teams und schauen Dich an, fluchen, erklären dir was, schauen weg, schütteln den Kopf oder klatschen mit Dir ab.

Also das war der Game Plan: Bälle auf den Boden oder knapp darüber schlagen und die Infield Defense der Rams arbeiten lassen, während wir auf unsere eigene Geschwindigkeit setzen. Und das alles gepaart mit Leichtigkeit, mit guter Laune, mit Ablenkung davon, dass dies vielleicht das letzte Spiel des Jahres wird und die anderen auf unserem Platz feiern werden. Das war der Plan. Daran arbeiteten wir. Dieser Schreiber hat geschuftet, um das hinzukriegen, und ist sogar am Sonnabend morgen noch irgendwo in einen Hundehaufen getreten, um etwas Glück dazu zu buchen - denn so einleuchtend der Plan auch klingt, so dünn ist er auch. Bisschen anders hitten, gute Laune haben.

Was dann kam, hat niemand erwartet. Vielleicht war es mein Hinweis, dass der Seuchen-Juni irgendwann vorbei ist mit seinen Zweifeln und den Niederlagen. Am Sonnabend schrieben wir den 1. Juli, als wir die Rams zum zweiten Endspiel empfingen. Der Juni war vorbei, ein neuer Monat fing an. Und unser Team spielte völlig befreit auf, war zweifelsfrei in allem. Es war, als ob der Regen alle Sorgen und Zweifel abgewaschen hatte (wir hatten ja vor dem Spiel auch ein bisschen zu tun, ein spielbares Feld herzustellen: Danke an alle Helfer des Flutkommandos!). Was wir alle beim Spiel am Sonnabend zu sehen bekamen, war jedenfalls ein Güterzug, der alles zermalmte, was in seinem Weg stand.

Die Rams fingen an und brachten ihren zweiten Hitter auf Base. Der rannte dann nach einem Flyout zur 2B und dort gab es ein Play, wo die Umps zuerst ein Out sahen, dass sie später zurück nahmen. An 2B hätte der gegnerische Runner getaggt werden müssen (wurde er nicht), aber für uns sah es so aus, als ob er bei dem Flyout bereits die Base verlassen hatte. Ohne Zeitlupe war das nicht zu klären, und so kam der Runner später sogar rum. Es sollte der einzige Run für die Rams bleiben, denn von nun an spielten die Roadrunners.

Luke begann mit einem Groundout, liess das aber an seiner guten Laune abprallen. Hugo folgte mit einem Walk, Alex mit einem hart geschlagenen Ball Richtung 3B, dann Markus, Keanu und Phillip mit Singles. Drei Runs waren drin und der Gegner wechselte den Pitcher. Es passierte nichts mehr, wir führten 3:1 und sollten nicht mehr zurück schauen. 

Die Rams durften noch zweimal schlagen und kamen im gesamten Spiel auf 11 Plate Appearances, zwei über dem Minimum. Unsere Defense machte vier Groundouts und zwei Flyouts klar. Luke als Pitcher streute noch drei Strikeouts dazwischen und zwei Spieler der Rams erzielten Singles. Das führte zu einem Run und das war es.

Unser Team dagegen kam in drei Innings auf 26 Plate Appearances, hatte 9 Hits (wenn auch nur Singles) und 6 Walks und scorte am Ende 11 Runs. Beste Hitter waren Luke, Markus, Keanu und Phillip mit jeweils zwei Singles. Die meisten anderen Spieler kamen auch irgendwie auf Base, einige sogar mehrfach, wenn auch ohne Hits. 

Am Ende gewannen wir nach 3 Innings und 51 Minuten mit 11:1. Unsere Leichtigkeit war wieder da. Wir spielten ein fehlerfreies Spiel in der Defense, hatten sehr gutes Pitching und waren unnachgiebig beim Schlagen. Wenn wie am Sonnabend alles zusammenkommt und unser Team fehlerfrei spielt, sind wir kaum zu schlagen.

Teilziel erreicht: am Leben geblieben im Finale. Leichtigkeit wieder gewonnen. Fehlerfrei gespielt. Pommes verdrückt bis der Arzt kommt. Gute Laune gehabt trotz schlechtem Wetter ... und habt ihr das auch alle bemerkt? Die positive Energie, die auf einmal spürbar war? Das ist Baseball, Leute!

2017 07 03 Playoffs 0

Andreas bereitet die Pommes-Attacke auf unsere Zweifel vor

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Angespannte Leichtigkeit im Dugout

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Unser Infield im 1. Inning

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Unser 1-2-Punch Lugo macht sich warm

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An die Scoreboard-Crew: kommt mal alle runter, Leute!

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2B und LF zwischen den Innings

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Danke an die Rams, die uns zwingen, hart an uns zu arbeiten und fehlerfrei zu spielen

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Gewonnen!

Danke an alle Spieler, Coaches, Zuschauer, Caterer, Umpires, Scorer, Scoreboard-Crew, Auf- und Abbauhelfer und wer immer sonst noch mit dabei war. Danke für ein tolles Baseballspiel und einen tollen Sonnabend! 

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